"Einflüsse der bäuerlichen Volksmusik auf die Musik in der Schweiz"


(Bildcollage: A. Meier)

Zentrale frage: was ist Schweizer Volksmusik

und geht es wirklich um die Musik? Sind es nicht eher die eigentümlichen Instrumente wie Alphorn, Hackbrett oder Schwyzerörgeli die das Besondere ausmachen. Kaum interessieren dürften wohl die wenig tiefschürfenden Texte von Bächli, Bärgli, Blüemli oder blauem Himmel? Etwa gar der merkwürdige Gesang des frommen Älplers der abends den Lioba-Betruf mit dem Büchel über Alpwiesen durch Wälder in die Täler hinunterschickt auf dass Gott ihm und seinen Kühen gnädig sein möge?

Musikbeispiel
(Le ranz des vaches, Jos. Bovet, Männerchor der Solothurner Singknaben, GGN.0504.01)


(Quelle: www.perretfoto.ch)

Anhand dieses kurzen Referates und einiger Musikbeispiele soll ein nicht repräsentativer Querschnitt über das schweizerische Urmusikschaffen anhand des Toggenburger Komponisten Peter Roth aufgezeigt werden.

Peter Roth


(Quelle: www.peterroth.ch)

Peter Roth wurde 1944 in St. Gallen geboren. Er absolvierte das Lehrerseminar und anschliessend ein Studium der Schulmusik am Konservatorium in Zürich. Seit dieser zeit ist er ohne Unterbruch als Lehrer und Kursleiter und als Dirigent verschiedener Chöre tätig. Er ist Initiant von Klangwelt Toggenburg. 1993 erhielt er den Förderpreis der St. Gallischen Kulturstiftung. Sein besonderes Interesse gilt der Musikethnologie.

Peter Roth verbindet auf ganz eigenständige Art und Weise alle bereits genannten Eigenschaften der vermeintlich schweizerischen Volkmusik mit der Kunstmusik im klassischen Sinn: den traditionellen Jodelgesang, typisch schweizerische Instrumente wie das Hackbrett, eingängige und einfache Melodien, alles zusammen verschmolzen im Tiegel der Frömmigkeit.

Nacht und Licht

Musikbeispiel
(Prolog "Nacht & Licht", Peter Roth/HR. Fischer, Chorprojekt Erich Stoll, GGN.1004.01)

Die Kantate Nacht und Licht, zu der Hans Ruedi Fischer den Text verfasst hat, entstand im Jahr 2001. Ihr zentrales Thema ist der Mensch auf seinem Weg vom Dunkel ins Hell. Musikalisch wird dies geschickt durch den Einsatz der dunkel timbrierten A-Klarinette vermischt mit luzidem hellem Streicherklang. Musikalisch, und unterschwellig auch textlich, steht die bekannte Choralmelodie von Georg Neumark „wer nur den lieben Gott lässt walten“. Diese Melodie kann zweifelsohne als bekanntes Volkslied angesehen werden.

Damit und mit dem nächsten Musikbeispiel soll eine Verbindung zum gelesenen Text von Bela Bartok hergestellt werden.

St. Johanner Jodelmesse

Dieses Beispiel zeigt, wie Peter Roth mit dem Jodel als Volkslied umgeht und dieses wie von Bartok beschrieben harmonisch auf einfachste Art und Weise unterlegt. In der Tradition der Schweizer Volksmusik nennt man diese Art der Begleitung „gradhäbe“ womit das stufenbezogene akkordartige harmonische Fundament gemeint ist.

Musikbeispiel
(Gebe aus der St. Johannermesse, Peter Roth, Habstettechor, GGN.1105.01)

Die "Grosse Passion"

Peter Roths bedeutendstes Werk ist die „grosse Passion“ bekannt unter dem Titel „Toggenburger Passion“ komponiert nach Bildern von Willy Fries. dieses abendfüllende werk erfreut sich auch ausserhalb eines gewissen Dunstkreises rund um und mit Peter Roth schweizweit einer grossen Beliebtheit. In 24 Stationen wird hier das Leiden Christi frei nacherzählt vom Einzug in Jerusalem, Verstoss, Geisselung, Kreuzigung bis zur Auferstehung. Die Passion wird normalerweise in einer eigentümlichen Mischsprache aus Toggenburger Dialekt und Hochsprache gesunden.


(Quelle: CD-Booklet, s. unten)

Die grosse Passion ist von universellem Gehalt und eines der wenigen werke, dass auch Musikkenner und Theoretiker bis zu einem gewissen Grad zu befriedigen mag. Es stehen hier Rezitationen und Rezitative mit Arien in klassischer Manier, neben lüpfigen Walzer- und Schottischtänzen, beim abschliessenden Chor schienen sogar Verdi oder Puccini Pate gestanden zu haben.

Musikbeispiel
(Die grosse Passion, Peter Roth, Chorprojekt Erich Stoll, CD bestellen)

Abschliessend soll noch ein kleines Beispiel aufgezeigt werden, wie Peter Roth mit der Integration von Naturtönen der Naturinstrumenten wie dem Alphorn umgeht. Eine der jüngsten Kompositionen sind die 5 Schöpfungspsalmen zu welchen Roth auf einer Weltreise Inspiration fand. Hier erklingen im eigentlich musikalisch verbindlichen Kontext c und cis fälschlicherweise praktisch gleichzeitig (Querstand). So entsteht der Eindruck eines zu hohen Fa’s, dem so genannten Alphorn-Fa.

Musikbeispiel
(5 Schöpfungspsalmen, Peter Roth, Singkreis Halde-Rehtobel, CD bestellen)

Schlussbemerkung

Erlauben Sie mir abschliessend noch eine persönliche Bemerkung. Ich bin weder Verfechter noch ein besonders grosser Freund der Werke Roths. Von einigen wenigen Stücken abgesehen, widerstrebt mir der zähflüssige und repetitive Charakter seiner Musik. Über den schlecht sangbaren Chorsatz und die vielen Kompositionsregelverstösse mag ich nicht recht hinwegsehen. Trotz dieser subjektiven Einwände, denke ich, dass Peter Roth ein wichtiges Kapitel zur Schweizer Musikgeschichte beigetragen hat und noch beitragen wird.

Kleiner Epilog

Beim Durchforsten meiner CD Sammlung nach Schweizer Musik ist mir noch eine ganz besondere Perle in die Hände geraten. Diese möchte ich ihnen ungern vorenthalten. Mit etwas Phantasie und gutem Willen, kann man sogar diese Musik zum Thema passend machen. Obschon es in diesem letzten Musikbeispiel nicht in erster Linie um die Musik selber geht.

Sie hören abschliessend eine Art Kuhreigen im pastoralen 6/8 Rhythmus gespielt von einem ganz besonderen Instrument. Naturalistische Einflüsse sind auch in diesem beschaulichen Stück unüberhörbar.

Musikbeispiel
(Pastorella von Wolfgang Iten, Musik aus Schweizer Klöstern mit Tromba Marina, Thilo Hirsch, Ensemble Arcimboldo, MGB CD 6224)

Sie habe eine Pastorella von Wolfgang Iten (1712 – 1769) aus dem Kloster Engelberg gehört. Die beiden Instrumente waren die Tomba Marina oder auch Trumscheit, Trompetengeige, Marientrompete oder Nonnengeige genannt und wie unschwer festzustellen: ein Streichinstrument mit einem auffälligen Trompetenklang.


(Quelle: www.trombamarina.com)